23/02/2022

Auswandern bei Insolvenz

Häufen sich die Schulden, wächst der Druck. Die Gläubiger bestehen auf ihren Forderungen und auf der anderen Seite sehen viele Schuldner die eigene Existenz bedroht. Ist es nicht mehr möglich, für die laufenden Kosten aufzukommen, droht die Kündigung des Mietverhältnisses. Wer möchte nicht aus dieser belastenden Situation entfliehen? Doch ist Auswandern bei Insolvenz überhaupt möglich? Sie erfahren im Folgenden, was beachtet werden sollte und welche rechtlichen Möglichkeiten für eine Auswanderung als Schuldner gegeben sind.

Insolvent in Deutschland – Auswandern als Lösung?

Wenn Sie in Deutschland einen Antrag auf Privatinsolvenz stellen möchten, können Sie nicht sofort auswandern. Bei der Antragstellung vor Gericht ist ein Wohnsitz in Deutschland notwendig. Ansonsten können Sie keinen Antrag stellen und dieser wird als unzulässig abgewiesen.

Wurde der Antrag ordnungsgemäß gestellt, ist eine Auswanderung rechtlich gesehen möglich. Doch damit befreien Sie sich weder von den Schulden, noch von Ihrer Mitwirkungspflicht am Insolvenzverfahren, was weiteren Aufwand und vor allem weitere Kosten mit sich bringt.

Der neue Wohnsitz ist dem Insolvenzverwalter unverzüglich mitzuteilen. Sie müssen damit rechnen, zu Terminen in das Büro des Treuhänders vorgeladen zu werden. Dies ist häufig der Fall, wenn Schuldner keinen Job haben und damit kein pfändbares Einkommen erzielt wird.

Der Auswanderer sollte über entsprechende Rücklagen verfügen, per Flugzeug, Bahn oder eigenem Pkw nach Deutschland zu gelangen, um etwaige Termine wahrzunehmen. Eine Privatinsolvenz ist eine sehr persönliche Angelegenheit und die Vertretung bei Terminen durch einen Anwalt ist nur in seltenen Fällen möglich.

Tipp: Wer im Ausland untertaucht und vom Insolvenzgericht nicht erreicht werden kann, macht sich strafbar und verletzt seine Mitwirkungs- und Auskunftspflicht.

Auch Auswanderern kann die Restschuldbefreiung versagt werden. Dies hat die Aufhebung einer bereits bewilligten Kostenstundung zur Folge und es ist dem Schuldner während eines Zeitraumes von drei Jahren nicht möglich, einen erneuten Antrag auf Privatinsolvenz zu stellen.

Um dem vorzubeugen, sollten Auswanderer für eine rechtliche Vertretung in Deutschland sorgen. Damit hat der Insolvenzverwalter einen direkten Ansprechpartner, welcher auch die Schriftstücke, welche das Gericht per Post verschickt, empfangen kann.

Insolvenzverfahren im Ausland – was sollte beachtet werden?

EU-Bürgern steht es frei, einen Insolvenzantrag in einem anderen Mitgliedsstaat zu stellen. Wer davon Gebrauch machen möchte, kann dies nicht sofort nach dem Auswandern tun. Eine rechtliche Hürde besteht darin, dass Sie für mindestens sechs Monate Ihren Wohnsitz im betreffenden Land haben müssen, bevor eine Insolvenzanmeldung möglich ist.

Viele Deutsche machen von dieser Möglichkeit Gebrauch, weil sich in vielen Ländern der Zeitraum bis zur Restschuldbefreiung verkürzen lässt. In Deutschland vergehen in der Regel sechs Jahre, bis die Schulden vollständig getilgt sind und Sie einen finanziellen Neustart wagen können.

Für eine mögliche Auswanderung wird beispielsweise England anvisiert. Hier ist eine Restschuldbefreiung bereits nach einem Jahr möglich. Dennoch sollte dieser Schritt gut überlegt sein und nicht ohne eine eingehende Beratung erfolgen.

Suchen Sie daher eine Schuldnerberatung auf oder sprechen mit einem Anwalt für Insolvenzrecht vor Ort. Der Neustart im Ausland ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Diese sind nicht zu unterschätzen. Schließlich müssen Sie erst ein halbes Jahr im Wunschland leben, bevor das eigentliche Insolvenzverfahren in die Wege geleitet werden kann.

Dies sollte bedacht werden. Meist ist eine Insolvenz in Deutschland zu durchlaufen die bessere Wahl. Viele Schuldnerberatungsstellen arbeiten kostenlos und helfen Ihnen, Ihre Finanzen zu sichten, zu optimieren und die Verhandlungen mit den Gläubigern aufzunehmen. Erst wenn diese scheitern, kann ein Antrag auf Insolvenz gestellt werden.

Weitere Informationen finden Sie im kostenfreien Ratgeber

https://www.privatinsolvenz.net/auswandern-bei-insolvenz/

Bildnachweis: Foto von Nicola Barts von Pexels

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